Rubrik

Ausgabe 12/2026

16 Beiträge

Mit zwölf Sinnen

Mit zwölf Sinnen

Durch das Leben zu gehen und dabei mit den eigenen Sinnen verbunden zu bleiben, ist nicht immer leicht: Zu sehr leben wir in einer Welt der permanenten Reizüberflutung. Informationen, Bilder und Ansprüche prasseln auf uns ein, bis es unausweichlich scheint, als Konsequenz und auch als Selbstschutz abzustumpfen. Eine Beziehung zu den eigenen Sinnen aufzubauen, eröffnet jedoch gleichzeitig einen Zugang zu mehr innerer Wachheit, Inspiration und Fülle. Gibt es also doch Wege zu einem sinnerfüllten Sein? Der zwölfmonatige, deutschsprachige Onlinekurs ‹Perception›, deutsch: ‹Wahrnehmung›, basiert auf der Idee, dass es anstatt nur fünf Sinne ganze zwölf Sinne gibt, und er vermittelt den Teilnehmenden, wie sie mit diesen in Kontakt kommen können. Die Kursleitenden arbeiten unter anderem mit den Grundlagen der anthroposophischen Kunsttherapie. Die Inhalte fokussieren sich auf eine Feinabstimmung der eigenen Wahrnehmung in allen Lebenssituationen. Der Kurs findet zweimal jährlich im März und September statt. Vorerfahrungen sind nicht notwendig.

Redaktion · 17. März 2026 · 1 Min.

Dornige Pfade

Dornige Pfade

Was gibt es doch für viele dornige Pfade, die ich gehen muss! Und ich muss überall durch, und nur ich allein bin der Maßstab für mich selbst, ich muss alles selbst herausbekommen und selbst meine eigenen Formulierungen und meine eigenen kleinen Wahrheiten finden. Manchmal verwünsche ich die schöpferischen Kräfte in mir, die mich zu weiß Gott welchen Dingen antreiben, aber zuweilen erfüllt mich auch große Dankbarkeit, fast schon Ekstase. Und diese Höhepunkte der Dankbarkeit dafür, so voll Leben sein zu dürfen, und für die Möglichkeit, die Dinge allmählich begreifen zu können, wenn auch auf meine Weise, lassen mir jedes Mal wieder das Leben der Mühe wert erscheinen, sie werden immer wieder zu den Pfeilern, auf die sich mein Leben stützt.

Etty Hillesum · 17. März 2026 · 1 Min.

Bildet sich die Gemeinschaft im Spiegel der Menschen­seele?

Bildet sich die Gemeinschaft im Spiegel der Menschen­seele?

9. März, abends. Zögernd greife ich in die Tastatur, um ein Stimmungsbild des Nahen Ostens zu vermitteln. Als in der Schweiz lebender ehemaliger Israeli wendet sich mein Blick naturgemäß zunächst zu meiner Tochter, meinem Bruder, deren Familien, meinem Freundeskreis in Israel. Dann lenke ich ihn zu all jenen, welche ebenfalls betroffen sind – ein Blick in einen Abgrund. Je weiter das Blickfeld wird, desto glatter scheinen die Ränder, an denen man steht, desto tiefer und dunkler diese Abgründe. Eine WhatsApp-Gruppe ruft für Dienstag, 10. März, 17 Uhr, alle Israelis auf, sich auf die Straßen, auf ihre Balkone zu begeben und mit Lichtern, Flaggen, Singen und Händeklatschen den Piloten der Luftwaffe dafür zu danken, was sie heroisch für ‹uns› tun, um die iranische Bedrohung und die libanesische Hisbollah zu eliminieren. Kein Wort von den Tausenden, die dabei ihr Leben verlieren. Die Journalistin Yoana Gonen schreibt am 9. März in der Tageszeitung ‹Haaretz› unter dem Titel: ‹Zurück zur Routine, unter Feuer›: «Der emotionale Faschismus begnügt sich nicht damit, den Widerstand gegen den Krieg zum Schweigen zu bringen. Er fordert, dass ihr ihn genießt und mehr davon verlangt, dass ihr euch in ihn verliebt, dass ihr euch bedankt. In so einer Realität ist auch das Klagen eine Art von Aufstand: Das Verweigern, sich an das Unerträgliche zu gewöhnen.»

Udi Levy · 17. März 2026 · 4 Min.