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Ausgabe 17/2026

14 Beiträge

Eine gemeinsame Antwort

Eine gemeinsame Antwort

Im Jahr 1974 wurde im libanesischen Mansourieh der erste Kindergarten für Kinder mit Assistenzbedarf eröffnet, dessen pädagogisches Konzept den Grundlagen der Waldorfpädagogik folgt. Aus dem Kindergarten entwickelte sich mit den Jahren die heilpädagogische Einrichtung und Organisation namens Step Together. Der Ort bietet nicht nur eine Vielzahl an Betreuungs- und Ausbildungsmöglichkeiten für Menschen mit Assistenzbedarf im Kindes-, Jugendlichen- und Erwachsenenalter an; die Organisation engagiert sich auch während der aktuellen Krisensituation. Der Konflikt zwischen Hisbollah und Israel hat dazu geführt, dass in kürzester Zeit mehr als eine Million Libanesinnen und Libanesen innerhalb des Landes flüchten mussten. Step Together berichtet von dem Stress und der Angst, die dies auch in den Kindern und Familien auslöst, mit denen die Organisation zusammenarbeitet. Als Antwort hat sie eine Nothilfekampagne ins Leben gerufen, die Nahrungsmittelsoforthilfe mit traumaorientierter Notfallpädagogik und psychosozialen Unterstützungangeboten verbindet. Diese unterstützt Kinder und ihre Familien darin, mit den krisenbedingten Beeinträchtigungen und Unsicherheiten besser zurechtzukommen.

Redaktion · 21. April 2026 · 1 Min.

Kinder wachsen lassen

Kinder wachsen lassen

An Waldorfschulen findet der Unterricht nicht nur in geschlossenen Räumen statt. Der Aufenthalt in der Natur ist wichtiger Bestandteil des pädagogischen Konzepts. Für Waldorfpädagoginnen und -pädagogen, die sich in naturbasierten Unterrichtsformaten weiterbilden möchten, bietet das Bay Area Center for Waldorf Teacher Training (BACWTT) vom 22. bis 26. Juni den Kurs ‹Growing Sustainable Children: Gardening Teacher Training› an, deutsch: ‹Nachhaltige Kinder wachsen lassen: Gärtnertraining für Lehrkräfte›. In dem fünftägigen englischsprachigen Workshop lernen die Lehrerinnen und Lehrer, wie sie Garten, Hof, und Naturlandschaften in ihren Unterricht einbeziehen können. Der Kurs ist praxisorientiert und vermittelt den Teilnehmenden, wie sie ihren eigenen naturbasierten Stundenplan erstellen können sowie die dafür notwendigen Fähigkeiten im Gärtnern.

Redaktion · 21. April 2026 · 1 Min.

Der Hofpoet der Kritischen Theorie

Der Hofpoet der Kritischen Theorie

Der Tod des Filmemachers und Schriftstellers Alexander Kluge hat mich besonders berührt, weil ich persönlichen Kontakt zu ihm hatte, das erste Mal 1999, als Kluge mich in Berlin zu einem Gespräch über meinen Film ‹Schwarze Sonne› für seinen DCTP-Kanal bei Sat1 einlud.1 Es war die Zeit der Berlinale und wir tauchten in einem intensiven Austausch in die bizarre Mythenwelt des Nationalsozialismus ein, die ich in einem Dokumentarfilm erforscht hatte. Wir trafen uns im Hotel Intercontinental, wo viele Regisseure, Schauspielerinnen, Filmproduzenten und Festivalbesuchende abgestiegen waren. Kluge hatte im Rummel des Foyers Kameras und Scheinwerfer aufgebaut. Doch weder die vielen Menschen noch die Geräuschkulisse störten uns, da wir durch einen Kokon von Intensität von der Außenwelt abgeschirmt wurden. Ich erläuterte Kluge mythologische Dimensionen hinter der Nazi- und SS-Ideologie, die auch ihm gänzlich unbekannt waren, sprach etwa über kultische Räume der Wewelsburg oder die Vorstellung Heinrich Himmlers, eine Inkarnation von König Heinrich I. zu sein, mit dem er an dessen Grab in der Krypta des Quedlinburger Domes nächtliche Zwiesprache hielt. Das Besondere an Kluge war dessen offene Geisteshaltung für diese Themen. «Man muss das Gift studieren», sagte er während des Interviews, echte Aufklärung müsse die «Notwendigkeit reaktualisieren, warum der Nationalsozialismus in die Welt kam», nur «an der Kampfzone, an der Verwundung selbst kann etwas heilen.»2

Rüdiger Sünner · 21. April 2026 · 4 Min.

Der lange Atem für die Farbe

Der lange Atem für die Farbe

Im Jahr 1926, vor 100 Jahren, kam ein 20-jähriger Kunststudent vom Royal College of Art in London zu einer Sommertagung ans Goetheanum in Dornach. Er hatte eigentlich vor, seine Reise nach Frankreich fortzusetzen, entschied sich jedoch, zu bleiben. So sehr hatte ihn dieser Ort ein Jahr und vier Monate nach Rudolf Steiners Tod angezogen. Als er etwa 50 Jahre später in einem Interview gefragt wurde, wie es im Goetheanum in den ‹Anfängen› gewesen sei, war eine seiner stärksten Erinnerungen die nachhaltige Stimmung, die besondere Atmosphäre des Ortes: «Das Leben hier war damals ganz anders. Es war eine Stimmung, eine ungeheure Stimmung hier! Ich war kurze Zeit auch Wächter, als es im Bau noch keinen [Großen] Saal gab, sondern nur Gerüste dort waren. Von oben tropfte etwas […], man hörte es nach einiger Zeit unten als Klang tief in der Nacht. Ich war Dämmerungs-Wächter meistens und schlief dann oben in der Schreinerei. Man musste um sechs Uhr schon aufstehen und da sein bis zehn Uhr. Ich konnte deswegen in alle Räume gehen. So kam ich immer in Dr. Steiners Atelier, und auch in Frau Dr. Steiners Räume. Also, was da für Stimmung war! Dr. Steiners Bett war noch da, wie es war. Sein Tisch mit seinem Schreibzeug. Alles genau, wie er es gebraucht hatte, war noch da. Die Holzstatue war noch da, Luzifer und Ahriman waren noch da, und der wunderschöne Plastilin-Christus-Kopf. […] Und dann die Proben, die man damals mitmachte, und diese Menschen da. Es war voll die Luft! Es kam ganz ‹Dornach› zu den Vorlesungen damals, Zuccoli, Savitch, jeder war da, man kannte sie. Nicht dass man mit denen sprach, aber es gab einfach Stimmung. Und auf der Bühne, was da geschah! Ja, und auch in den Proben. Das war wirklich etwas! – Es waren viel weniger Menschen da, vielleicht 300 oder so etwas. Keine Fremden durften zur ersten Zeit [nach dem Brand] in das Gelände überhaupt kommen. Das kleine Wachhaus, – Dubach stand dort, Kemper stand dort, Trapesnikov war da. […] Ob ich in die Probe kommen durfte, weiß ich nicht mehr – aber ich ging einfach hin und sie [Marie Steiner] hat mich nicht herausgeworfen. Ich saß ganz hinten und schaute zu – es war wirklich sehr interessant! Ich war bei den Eurythmie- und Schauspielproben – beides. Und sie war derart streng, Frau Dr. Steiner. Und dann Steffen, er las die Vorträge von Rudolf Steiner vor, wie wenn es seine eigenen wären. Das war etwas; enorm, wie das war! Ich verstand alles, obwohl ich erst die Sprache lernte allmählich. Aber man verstand es einfach.»11

Caroline Chanter · 21. April 2026 · 4 Min.

Ich harre, mich umkreist die Zeit

Ich harre, mich umkreist die Zeit

Sieben weibliche Nebenhauptfiguren aus Goethes ‹Faust› erscheinen hier in einer Reihe: Manto ist die geheimnisvollste unter ihnen. Faust begegnet ihr auf seinem Weg zur ‹asklepischen Kur›, der Heilung und Einweihung im antiken Griechenland. Wieder verschiebt Goethe die Überlieferung. Im griechischen Mythos ist Manto die Tochter des Sehers Teiresias und damit selbst eine Seherin. Dies führt sie nach Delphi zu Apollons Orakel. Bei Goethe ist sie als Prophetin der Zeit enthoben, und deshalb ist ihr Zuruf zu Faust, wenn sie ihn in die Unterwelt eintreten lässt: «Den lieb ich, der Unmögliches begehrt», zugleich eine Weissagung seines Gelingens. Als Tochter des Heilgottes Asklepios ist sie bei Goethe darüberhinaus eine Heilerin und überragt wegen ihrer doppelten Gabe, zu heilen und zu prophezeien, den Heilhalbgott Chiron, der Faust zu ihr führt. Manto zeigt, dass im Heilen Prophetisches liegt.

Redaktion · 21. April 2026 · 1 Min.