Rubrik

Ausgabe 22/2026

16 Beiträge

… und leg den Schmuck hier heimlich an

… und leg den Schmuck hier heimlich an

Von Lieschen bis zur Sorge – sieben weibliche Neben-Hauptrollen der aktuellen ‹Faust›-Inszenierung sind hier im Fokus. Jetzt Marthe Schwertlein. Sie ist die Nachbarin und Vertraute von Gretchen und führt sie in die Tragödie. Wie ist das möglich? Zweierlei kommt bei Marthe zusammen: Als alleinstehende Frau ist sie von den gesellschaftlichen Umständen abhängig und zugleich zeigt sie persönliche Schwächen, nimmt es nicht genau mit ihrem inneren Kompass. Aus dieser Mischung – Schwäche und Bedrängnis außen und Schwächen innen – formt sich das Verderben.

Redaktion · 28. Mai 2026 · 1 Min.

Kosmisch-seelische Konjunktion

Kosmisch-seelische Konjunktion

Noch stehen Venus und Jupiter mehr als zwanzig Grad auseinander. Doch täglich verringert Venus in ihrem schnellen Lauf die Distanz um fast ein Grad. Am 9. Juni ist es dann so weit: Dann stehen die beiden hellsten Planeten in Konjunktion zueinander. Weil die Bahnebenen der einzelnen Wandler gering zueinander geneigt sind, bleibt ein kleiner Abstand erhalten. Bei dieser Konjunktion sind es zwei Grad. Das entspricht dem Abstand von vier Monddurchmessern. Doch schon die Wochen vor der eigentlichen Konjunktion sind eine Gelegenheit, im kosmischen Schauspiel die Beziehung der Tugenden Liebe und Weisheit im Bild dieser Himmelslichter zu betrachten und zu verstehen. Jupiter gilt in der antiken Vorstellung als Repräsentant für Weisheit. Das spiegelt sich eindrucksvoll in seiner physikalischen Erscheinung. Er ist zwölfmal so groß wie die Erde und läuft in knapp zwölf Jahren durch den Tierkreis. Außerdem sind es zwölf Wolkenbänder, die auf seiner Oberfläche gegeneinander scheren. Die Zahl Zwölf repräsentiert das Ganze, und diese Vollständigkeit vermag nur die Erkenntnis zu fassen. So überrascht es nicht, wenn der Planet der Weisheit die Zahl Zwölf in sich trägt. Und Venus? Der Planet von Schönheit und Liebe ist der einzige der Wandelsterne, der auf einer runden und nicht elliptischen Bahn um die Sonne zieht. Auch ist Venus als Himmelskörper perfekt rund und nicht abgeflacht wie die anderen Planeten. So wie sich in diesen Phänomenen die Schönheit von Venus spiegelt, so ist ihr extrem hoher Druck an der Oberfläche ein Bild für die Liebe. Bei einem 93 mal höheren Druck als auf der Erde ist die Luft der Venus nicht mehr gasförmig oder flüssig, sondern beides zugleich – fluide. Venus hebt, wie es zur Tugend der Liebe gehört, die Gegensätze auf. Jetzt werden die beiden Planeten bald für kurze Zeit zu einem Zwillingsgestirn und inspirieren so dazu, in der eigenen Seele die Konjunktion von Liebe und Erkenntnis herzustellen. Alles und jeden mit der Wärme des Herzens und der Klarheit des Hauptes begreifen zu lernen.

Wolfgang Held · 28. Mai 2026 · 1 Min.

Kindergärten im Flüchtlingslager?

Kindergärten im Flüchtlingslager?

Für die Gesprächsreihe ‹Stimmen zur Zeit› spricht Gerald Häfner mit Wiebke Eden-Fleig über ihre Arbeit im Libanon im Kontext der andauernden Konfliktsituation zwischen Hisbollah und Israel. Der Krieg im Libanon steht dabei im globalen Bewusstsein eher im Schatten des Konflikts zwischen den USA, Israel und dem Iran; nichtsdestotrotz ist die Lage für die libanesische Zivilbevölkerung extrem prekär. Wiebke Eden-Fleig ist studierte Politologin und Nahostwissenschaftlerin sowie die Geschäftsführerin von Just Childhood, einer Organisation, die palästinensische und syrische Kinder aus geflüchteten Familien und Kinder aus sozial gefährdeten Familien im Libanon bei ihrem Bildungsweg unterstützt. Sie erzählt von ihrer Reise in das riesige palästinensische Flüchtlingslager Shatila und wie sie dort trotz zahlreicher Widrigkeiten einen Waldorfkindergarten mit aufbauen konnte. Das Gespräch gibt zudem Einblicke in die gesellschaftliche Situation im Libanon und zeigt Wege des Engagements auf.

Redaktion · 28. Mai 2026 · 1 Min.

Wenn es um Leben und Tod geht

Wenn es um Leben und Tod geht

Zwei Momente sind es, da wird es in einer Gemeinschaft wie von Zauberhand dicht und innig. Es sind Augenblicke, in denen sich über die Gruppe der Himmel senkt, und es geschieht dann, wenn es sprichwörtlich um Leben und Tod geht, wenn aus dem Leben eines Menschen oder über das Leben eines Menschen gesprochen wird. Im ersten Fall ergreift man selbst das Wort und schildert den Gang, die Stationen des eigenen Weges. Es gibt wohl keinen solchen Lebensbericht, wo die Zuhörenden nicht still werden und staunen über die rätselhaften Fügungen und Besonderheiten, die das Leben zur Biografie, zur Lebensschrift erhöhen. Im zweiten Fall sind es die Zeugen und Zeuginnen eines abgeschlossenen Lebens, die die Lebensspur des Verstorbenen erzählen. Auch hier braucht es nur wenige Sätze und schon glimmen – auch wenn Tragisches in der Erzählung seine Schatten wirft – Weisheit und Tiefe der Lebensspur auf. Wie ein Gottesdienst der Neuzeit ist, wenn es so um Leben und Tod geht, der Geist unter uns – ein Pfingstereignis. Wir sollten häufiger und leidenschaftlicher über unsere Leben sprechen und so den großen Schatz – das gelebte Leben –, den jeder und jede mit sich führt, teilen. Denn auch hier gilt, wie für alles Immaterielle: Was man teilt, wächst.

Wolfgang Held · 28. Mai 2026 · 1 Min.