Rubrik

Nachrichten

141 Beiträge

Kreaturen, die wir machten

Kreaturen, die wir machten

Dass der Mensch Gefahr läuft, Gefangener jener Geschöpfe zu werden, die er selbst geschaffen hat, ist ein urfaustisches Motiv – und brennend aktuell. Im künstlich-intelligenten Maschinenpark des digitalen Zeitalters stellt sich akut die Frage, wer hier eigentlich wem dient. Die smarten Homunkulus-Maschinen uns? Oder wir ihnen? Mephisto bringt diese freiheitsverlustige Lage in ‹Faust II› wie folgt auf den Punkt: «Am Ende hängen wir doch ab / Von Kreaturen, die wir machten.» (Vers 7003 f.) Das darf freilich nicht nur als teuflischer Kommentar zur Menschheitsgeschichte gelesen werden, sondern auch als Eingeständnis höherer Ohnmacht. Denn es ist mit Mephisto ein gefallener Engel, der dies ausspricht – und der damit gleichsam stellvertretend für die Ober- und Unterwelt die Freiheit des Menschen betont. Sie, die Götter und Teufel, hängen längst ab von der irdischen Kreatur, «die wir machten». Als Co-Gott und Co-Teufel ist der freie Mensch zum Schicksal von Himmel und Hölle geworden. Und zum Schicksal seiner selbst. Denn auch das ist wahr: dass ich von mir selbst abhängig bin. Ich widerfahre mir immer wieder als gemachtes, bedürftiges Geschöpf. Und ich muss mich immer wieder als Schöpfer schöpfen, um mich als Geschöpf aufzuheben; um als Kreator meine Kreatürlichkeit zu überwinden.

Philip Kovce · 18. Juni 2026 · 1 Min.

Arbeit am menschlichen Handeln

Arbeit am menschlichen Handeln

Der Berliner Kunstplanbau lädt im Juli zu seinen diesjährigen Literaturtagen ein. Leitmotiv ist der Umgang mit der Bedrohung der Lebensgrundlagen auf dem Planeten Erde. Es gilt zu erkennen, dass der Glaube an Erlösung keine Alternative zur Arbeit am menschlichen Handeln in der Welt ist. Die Literaturlesungen, weiterführenden Referate und Gespräche machen eine Herangehensweise an die Herausforderungen konkret. Als Auftakt spricht die Regisseurin und Autorin Marlene Streeruwitz am 2. Juli über ein ‹Handbuch gegen den Krieg› und ein ‹Handbuch für die Liebe›. Am 9. Juli kommen die Buddhologin und buddhistische Nonne Carola Roloff und der Zen-Meister Alexander Poraj über die Zeitgemäßheit von Spiritualität ins Gespräch. Am 16. Juli widmet sich Wolf-Ulrich Klünker, Professor für Philosophie und Erkenntnisgrundlagen der Anthroposophie an der Alanus-Hochschule, in seinem Vortrag dem Wirken der Engel in der heutigen Zeit. Die Stimme des Engels ist leise geworden, so Klünker, aber er existiert in der geistigen Ich-Dimension des Menschen. In seinem Beitrag führt er die Entwicklungsdimensionen von Mensch und Engel aus.

Redaktion · 17. Juni 2026 · 1 Min.

Sinn für tiefere Wirklichkeit

Sinn für tiefere Wirklichkeit

Wolfgang Müller ist bekannt für seine Publikationen zur Anthroposophie. In einem Vortrag am Goetheanum wendet er sich der entspiritualisierten Neuzeit zu und stellt die Frage, wie wir in diesem Kontext einen Sinn für tiefere Wirklichkeiten wecken können. In einem Vergleich der verschiedenen Epochen und Kulturen, von der ‹Odyssee› über die ‹Bhagavad Gita› bis zu Goethes ‹Faust›, stellt er fest, dass alle alten Kulturen davon ausgingen, dass es nicht nur eine sichtbare und anfassbare Welt gibt, sondern auch eine unsichtbare Welt, die für das menschliche Leben mindestens genauso relevant ist wie die sichtbare. Diese geistige oder auch göttliche Welt war damals etwas Selbstverständliches; in der Moderne ist sie es jedoch nicht mehr. Dieselben Gedanken existieren zwar immer noch, stehen aber unter einem Rechtfertigungsdruck, müssen ihre Daseinsberechtigung erklären. Vor diesem Hintergrund spricht Müller über die Sehnsucht nach einer geistigen Heimat, über die Härte der Abweisung und über mögliche Zugänge zu einem spirituellen Leben.

Redaktion · 17. Juni 2026 · 1 Min.

Terra Parzival

Terra Parzival

Hunderte von Begegnungsfestivals in Krisengebieten, das war die aus anthroposophischem Impuls geborene Initiative Idriart. Vor genau 33 Jahren hat sie sich in das Projekt Terra Parzival in Slowenien verwandelt. Parzival in Slowenien? Wolfram von Eschenbach offenbart im neunten Kapitel seines ‹Parzival› eine genaue Landschaftsbeschreibung, wie sie noch heute in der slowenischen Steiermark zu finden ist. Das Schloss Borl Ankenstein an der Drau des Geschlechts Anschewin (slowenisch: Anžvin) ist der Ursprungsort von Parzivals Großvater Gandin und Vater Gahmuret. Parzivals Mutter Herzeloyde hat ihre Abstammung in Frankreich und Spanien. Parzival war somit der Erbe von drei europäischen Königreichen. 1938 besuchte Ita Wegman auf ihrer Heimreise von Bulgarien in die Schweiz das Schloss Borl Ankenstein und bestätigte die Bedeutung des Orts für die Parzivalsage. Rudolf Steiner beauftragte den jungen Viktor Stracke zudem damit, die Spuren Parzivals in der slowenischen Steiermark zu suchen. Jahrzehnte lang hat Stracke geforscht und ein Manuskript verfasst, das mir kurz nach dessen Tod überreicht worden ist. Wir feiern 33 Jahre Terra Parzival mit einem Questival der Begegnung und des Friedens vom 20. bis 25. Juni. Miha Pogacnik

Miha Pogacnik · 10. Juni 2026 · 1 Min.

Spiegel der Menschheit

Spiegel der Menschheit

Unsere heutige Gesellschaft wäre ohne Geld und Buchhaltungssysteme kaum vorstellbar. Sie durchdringen und strukturieren fast jeden Bereich des gesellschaftlichen Lebens. Doch war dies natürlich nicht immer so. Ein dreitägiges Seminar, das vom 19. bis 21. Juni in den Räumen der Anthroposophischen Gesellschaft in Frankreich stattfindet, untersucht die elementare Rolle von Geld und vom Rechnungswesen für die Entwicklung menschlicher Gesellschaften; von ihren frühen Anfängen bis ins digitale Zeitalter. Die heutige Welt ist von globalen, komplexen Netzwerken durchzogen und wie in einem riesigen Buchhaltungssystem werden fast alle Transaktionen elektronisch erfasst. Dies birgt sowohl Risiken als auch Chancen. Im Seminar wird die aktuelle Bedeutung von Geld und Rechnungswesen untersucht sowie ihr grundlegendes Wesen betrachtet. Die Teilnehmenden werden zudem dazu eingeladen, die vorherrschenden Systeme zu hinterfragen und finanzielle Ströme aus der Perspektive der sozialen Dreigliederung neu zu denken. Geleitet wird die französischsprachige Veranstaltung von Sylvain Coiplet, Direktor des Instituts für Soziale Dreigliederung in Berlin.

Redaktion · 10. Juni 2026 · 1 Min.

Kloster auf Zeit

Kloster auf Zeit

Vom 20. bis 25. Juli findet am Priesterseminar in Stuttgart wieder der öffentliche Sommerkurs ‹Kloster auf Zeit› statt. Dieses Jahr spüren die Teilnehmenden der Aufrichtigkeit nach. Aufrichtigkeit – was ist das? Was bedeutet es, aufrichtig zu sein, in einer Welt, in der wir uns mit all unseren Fragen an einen digitalen Chatbot wenden können? Was passiert dann mit den Wahrheiten, die nur aus dem eigenen Inneren kommen können? Was bleibt wirklich unseres? Die Aufrichtigkeit wird im Sommerkurs als eine Haltung im Menschen verstanden, die sein Verhältnis zur eigenen innersten Wahrheit offenbart. Dabei wird auch die Frage relevant, wie sich dieses innere Verhältnis zur eigenen Wahrheit auf das Verhältnis des Menschen zur Welt auswirkt. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden für die Dauer des Kurses Mitglieder der Gemeinschaft des Priesterseminars; sie können täglich die Menschenweihehandlung in der Kapelle erleben, nehmen an Gesprächsrunden zum Thema teil, üben sich in künstlerischen Zugängen zur Aufrichtigkeit und in Sprachgestaltung.

Redaktion · 10. Juni 2026 · 1 Min.