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Dieses Leben ist ein Meisterroman, geschrieben von Gott, und der Mensch würde verrückt werden, wenn er versuchen würde, es allein durch Vernunft zu verstehen. Deshalb sage ich euch, meditiert mehr. Erweitert den magischen Becher eurer Intuition, und dann werdet ihr in der Lage sein, den Ozean der unendlichen Weisheit zu halten.
Paramahansa Yogananda · 10. Juni 2026 · 1 Min.

Dietrich Bonhoeffer, Theologe und Widerstandskämpfer im Nationalsozialismus, hat sich viel mit menschlicher Gemeinschaft beschäftigt. In seinem Buch ‹Gemeinsames Leben› rät er dazu, dreierlei in einer Gemeinschaft zu leben: 1. Man sollte die menschliche Gemeinschaft nicht idealisieren, sondern annehmen, dass ihre Mitglieder unvollkommen sind und dass es die göttliche Gnade ist, die Gemeinschaft segnet. Man solle die anderen annehmen, wie Gott sie annimmt. Durch diesen milden Blick, den wir einander geben, sei das Göttliche anwesend. 2. «Der erste Dienst, den einer dem andern in der Gemeinschaft schuldet, besteht darin, dass er ihn anhört.» So kommt in den Blick das offene Ohr für die anderen. 3. Bonhoeffers dritter Punkt betrifft das Herz: «Eine christliche Gemeinschaft lebt aus der Fürbitte der Glieder füreinander.» So sind es Auge, Ohr und Herz, die wir uns schenken und die ermöglichen, dass eine Gemeinschaft zu leben beginnt, dass sich der Himmel über sie spannt.
Wolfgang Held · 10. Juni 2026 · 1 Min.

Da stieg ein Baum. O reine Übersteigung!O Orpheus singt! O hoher Baum im Ohr!Und alles schwieg. Doch selbst in der Verschweigungging neuer Anfang, Wink und Wandlung vor.
Rainer Maria Rilke · 03. Juni 2026 · 1 Min.

Die Lebensgeschichte eines Baumes ist in sein Inneres eingeschrieben. Jedes Jahr legt sich eine neue Schicht von Zellen um den hölzernen Kern und versorgt den Baum mit Wasser und Nahrung, bevor auch diese Schicht, sich verhärtend, die Schicht des kommenden Jahres stützen wird. Die Dicke und die Farbe jeder Schichtung erzählt eine Geschichte von Wetter und Umständen. War es windig, nass, besonders heiß in jenem Jahr? Gab es Feuer? Eine Trockenheit? Alles, was geschehen ist, ist eingeschrieben im Holz, sofern man es lesen kann. Und all das ist umgeben von einer ganz anderen Sustanz: der Rinde. Zwischen Holz und Rinde scheint nichts zu sein. Nur eine Demarkationslinie, feiner als ein Haar. Das aber ist die einzige Stelle, die lebt und wächst – Holz und Rinde nicht. Man nennt es das Kambium, und es ist nur so dick wie eine Zelle. Die Kambiumzellen sind nicht differenziert. Sie sind weder Holzzellen noch Rindenzellen, aber sie werden sich schlussendlich zu beiden entwickeln. Während diese kaum wahrnehmbare lebendige Schicht dem Kosmos lauscht, pulsiert sie im Rhythmus der Jahreszeiten und Sterne, teilt sich und stirbt, um zur wassertragenden Kraft oder zum schützenden Ring zu werden. Wieder und wieder, Jahr um Jahr. Kontinuierlich fällt der Tod aus dem Leben.
Laura Liska · 03. Juni 2026 · 1 Min.

Wer mich gut sieht, dessen Blick bessert mich. Philip KovceAus: Ich setze Ich-Sätze. Egoismen. Aquinarte, Kassel 2016, S. 21. Auswahl Louis DefècheZeichnung Philipp Tok
Philip Kovce · 28. Mai 2026 · 1 Min.

Zwei Momente sind es, da wird es in einer Gemeinschaft wie von Zauberhand dicht und innig. Es sind Augenblicke, in denen sich über die Gruppe der Himmel senkt, und es geschieht dann, wenn es sprichwörtlich um Leben und Tod geht, wenn aus dem Leben eines Menschen oder über das Leben eines Menschen gesprochen wird. Im ersten Fall ergreift man selbst das Wort und schildert den Gang, die Stationen des eigenen Weges. Es gibt wohl keinen solchen Lebensbericht, wo die Zuhörenden nicht still werden und staunen über die rätselhaften Fügungen und Besonderheiten, die das Leben zur Biografie, zur Lebensschrift erhöhen. Im zweiten Fall sind es die Zeugen und Zeuginnen eines abgeschlossenen Lebens, die die Lebensspur des Verstorbenen erzählen. Auch hier braucht es nur wenige Sätze und schon glimmen – auch wenn Tragisches in der Erzählung seine Schatten wirft – Weisheit und Tiefe der Lebensspur auf. Wie ein Gottesdienst der Neuzeit ist, wenn es so um Leben und Tod geht, der Geist unter uns – ein Pfingstereignis. Wir sollten häufiger und leidenschaftlicher über unsere Leben sprechen und so den großen Schatz – das gelebte Leben –, den jeder und jede mit sich führt, teilen. Denn auch hier gilt, wie für alles Immaterielle: Was man teilt, wächst.
Wolfgang Held · 28. Mai 2026 · 1 Min.

Ich verlangte eine Quittung für den viel zu teuren Besuch des kleinen äthiopischen Gehöfts. Aber die Männer sahen nur verständnislos zu mir herüber. Wurde ich gerade übers Ohr gehauen? Ich hörte mich an wie meine Mutter und erkannte unverhohlen, dass ihr Umgang mit den Dingen mich geprägt hatte. Witzig und charmant versuchte ich, die Situation dann zu überspielen, ohne mein Frausein in den Fokus zu rücken. Denn die haben in diesen Dingen bestimmt nicht viel zu sagen hier. Im Stillen befand ich den Guide als überheblich, bevor ich mitbekam, dass er der Linie der Clanführer entstammte. Schlussendlich saß ich in der Hütte der jungen Ehefrau und lauschte ihrem Gesang – so schön wie der Savannenwind um 17 Uhr.
Gilda Bartel · 20. Mai 2026 · 1 Min.

Früher sah ich nicht das wahre Bild der Erde. Die Erde hat die Haltung einer Frau mit einem Kind in den Armen (mit ihren Geschöpfen in ihren breiten Armen).
Gabriela Mistral · 13. Mai 2026 · 1 Min.

Wie wäre es, wenn du für dich selbst die Mutterschaft übernehmen würdest? Diese Frage wurde in eine Menschenrunde hineingestellt, vor dem inneren Auge die Pietà Michelangelos, kurz nach Ostern:
Public Secrets Ensemble · 13. Mai 2026 · 1 Min.

Götzendienst entsteht, wenn man, obwohl man nach dem absoluten Guten dürstet, nicht über die übernatürliche Aufmerksamkeit verfügt und nicht die Geduld hat, sie wachsen zu lassen.
Simone Weil · 07. Mai 2026 · 1 Min.

Wo die Natur sich als Wind oder Flut bewegt, da dachten die Griechen der Antike Naturwesen, die Nymphen. Die Nereiden, hundert Töchter des Nereus, wie Platon erzählt, sind solche auf Delfinen reitenden Elementarwesen im Mittelmeer. Kalypso, die sich in Odysseus verliebt, ist eine der bekanntesten und Galatea, die ‹Milchweiße›, die schönste unter ihnen. Bei Homer ist sie mit dem einäugigen Riesen Polyphem verbunden – derselbe Mythos wie später das Märchen ‹Die Schöne und das Biest›: Schönheit macht das Hässliche schön. Bei Ovid ist sie eine Statue von solcher Schönheit, dass sich der Bildhauer in sein Werk verliebt und Aphrodite ihr darauf das Leben schenkt. Schönheit macht lebendig! Das nimmt Goethe für den ‹Faust›. Dort will der Kunstmensch Homunculus lebendig werden und stürzt sich dazu in diese Naturschönheit. Auch hier: «Das Ewig-Weibliche zieht uns hinan.»
Redaktion · 07. Mai 2026 · 1 Min.