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Ich harre, mich umkreist die Zeit

Ich harre, mich umkreist die Zeit

Sieben weibliche Nebenhauptfiguren aus Goethes ‹Faust› erscheinen hier in einer Reihe: Manto ist die geheimnisvollste unter ihnen. Faust begegnet ihr auf seinem Weg zur ‹asklepischen Kur›, der Heilung und Einweihung im antiken Griechenland. Wieder verschiebt Goethe die Überlieferung. Im griechischen Mythos ist Manto die Tochter des Sehers Teiresias und damit selbst eine Seherin. Dies führt sie nach Delphi zu Apollons Orakel. Bei Goethe ist sie als Prophetin der Zeit enthoben, und deshalb ist ihr Zuruf zu Faust, wenn sie ihn in die Unterwelt eintreten lässt: «Den lieb ich, der Unmögliches begehrt», zugleich eine Weissagung seines Gelingens. Als Tochter des Heilgottes Asklepios ist sie bei Goethe darüberhinaus eine Heilerin und überragt wegen ihrer doppelten Gabe, zu heilen und zu prophezeien, den Heilhalbgott Chiron, der Faust zu ihr führt. Manto zeigt, dass im Heilen Prophetisches liegt.

Redaktion · 21. April 2026 · 1 Min.

Pflegen und Heilen

Pflegen und Heilen

Im Februar 2026 wäre Ita Wegman 150 Jahre alt geworden. Als Ärztin trug sie neben Rudolf Steiner maßgeblich zur Entwicklung der Anthroposophischen Medizin bei. In ihrem Vortrag gehen Laurie Schmiesing, Tania Prince und Hannah Wallis, alle tätig im Bereich der Anthroposophischen Medizin und Pflege, auf Wegmans besondere Beziehung zu den Pflegenden ein. Sie führen aus, wie die Anthroposophische Pflege durch Liebe, Opferbereitschaft und bewusste Präsenz zu einem spirituellen Weg werden kann. Anhand von historischen Ereignissen, persönlichen Erfahrungsberichten aus ihrem eigenen Leben und ihrer professionellen Tätigkeit, Versen von Steiner und praktischen Übungen untersuchen Schmiesing, Prince und Wallis die Themenfelder der Selbstentwicklung, des ‹Zuhörens mit den Händen› und den Aufbau zukunftsorientierter Gemeinschaften von Pflegekräften, die nicht nur Patientinnen und Patienten auf ihrem Heilungsweg begleiten, sondern auch sich selbst und die Welt heilen.

Redaktion · 21. April 2026 · 1 Min.

Poetisieren der Welt

Poetisieren der Welt

Wer einmal den Klang von Novalis’ Dichtungen oder Aphorismen gehört und davon berührt wurde, vergisst ihn nicht mehr. Wer ihn noch nicht kennt, dem eröffnen sie eine neue Welt. Es sind Worte, die das Licht des Geistes in sich tragen. Sie bringen eine andere Schicht der Wirklichkeit zum Ausdruck, die wir in Märchen und Mythen als Atmosphäre erleben können. Diese Sphäre wird bei Novalis als Lebensrealität poetisch konkret: «Die Welt muss romantisiert werden. So findet man den ursprünglichen Sinn wieder», ruft er uns in einem Aphorismus zu. Die Welt ist nicht schon fertig, sie kann durch das Wort verwandelt werden und der Mensch tritt zu ihr in ein wahrhaftiges Verhältnis.

Christiane Haid · 14. April 2026 · 1 Min.

Rudolf Steiner als Lernender

Rudolf Steiner als Lernender

Es ist eine gängige Perspektive, dass Rudolf Steiner als Person und auch als historische Persönlichkeit den Archetyp des Lehrers beziehungsweise des Lehrenden verkörperte. Man muss nur an all die Vorträge und Impulse denken, die er vor allem in den Jahren vor seinem Tod gegeben hat und die bis in die heutige Zeit Inspiration und Orientierung bieten. Weniger oft wird Steiner als Lernender gesehen, obwohl seine Biografie zeigt, wie tief sein Leben vom Lernen durchdrungen war. In ihrem Beitrag nähert sich Constanza Kaliks, Mitglied des Leitungsteams der Allgemeinen Anthroposophischen Sektion der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft, an Steiner als Lernenden an. Sie gibt Einblicke in die frühen Jahre des suchenden Schulkinds Rudolf, in seine Arbeit als junger Nachhilfelehrer sowie als Pädagoge, der an seinen Schülerinnen und Schülern weiterlernt. Schließlich führt Kaliks aus, wie aus Steiners individueller Biografie eine moderne, geistige Lernkultur entstanden ist.

Redaktion · 14. April 2026 · 1 Min.

Gruß zum 100. Geburtstag

Du feierst jetzt deinen 100. Geburtstag! Dafür gratuliere ich im Namen von allen Eurythmisten und Eurythmistinnen und allen, die sich für die Eurythmie begeistern. Du hast dich hundert Jahre für die Eurythmie eingesetzt. Du hast deine Liebe für jedes Detail dieser Kunst so ausführlich gelebt und dir so jede Regung zu eigen gemacht. Du hast den Horizont der Eurythmie erweitert, indem du so vielen Menschen die eurythmische Bewegung nahegebracht hast. ‹Eurythmie im Arbeitsleben› wurde durch dich zu einem Begriff. Dabei hast du uns Eurythmisten vorgelebt und methodisch nahegebracht, dass dabei jeder und jede seinen ureigenen Bezug zur Bewegung finden kann und niemand zurückgelassen werden sollte, wenn es um eine gemeinsame Form geht. Mag eine Form als Vorgabe Klarheit schaffen, erst durch die eigene Aktivität leuchtet daraus Eurythmie – das konnten Generationen von Eurythmistinnen und Eurythmisten von dir lernen. Zum 100. Geburtstag sende ich einen großen Dank für deine Kulturarbeit für die Eurythmie und für jede eurythmische Bewegung, der du deine Aufmerksamkeit geschenkt hast.

Stefan Hasler · 01. April 2026 · 1 Min.

Reinkarnation und Karma

Der Eurythmist und Osteopath Michael Klemt lädt die Zuhörenden in seinem Vortrag dazu ein, sich den grundlegenden Aspekten in Rudolf Steiners Karmavorträgen aus einer neuen Richtung zu nähern. Klemts Arbeitsweise basiert dabei auf einem lebendigen Verständnis von Reinkarnation und Karma: Sein Zugang ist nicht theoretisch, sondern funktioniert mithilfe von konkreten Übungen. Dazu gehören beispielsweise die Rückschau auf den Tag und das eigene Leben, die seelische Beobachtung sowie das Erspüren eines ‹zweiten Selbst›. Anhand verschiedener Quellen, die auf Steiner zurückgehen, in Kombination mit praktischen Beispielen zeigt Klemt dem Publikum, wie jede und jeder das verborgene innere Überschuss-Selbst entdecken, ihm vertrauen und somit Schritt für Schritt eine geistige Realität hinter dem Alltagsleben erfahren kann.

Redaktion · 01. April 2026 · 1 Min.

Waldorfpädagogik und Anthroposophie in Lateinamerika

Waldorfpädagogik und Anthroposophie in Lateinamerika

Wo richtet sich heute der Ruf an die menschliche Seele? Wo an das Menschenbild im Sinne der Anthroposophie? Und wo an die Frage nach der Menschenwürde, vor dem Hintergrund aktueller Herausforderungen? Wie können wir es schaffen, die Wärme des Herzens in uns selbst und im zwischenmenschlichen Raum zu bewahren? Die argentinische Waldorflehrerin Maria Nardini erzählt in ihrem Vortrag davon, wie sie und andere in anthroposophischen Initiativen tätige Menschen in Argentinien diese Fragen immer wieder für sich und gemeinsam beantworten. In einem Exkurs zur Geschichte der Anthroposophie in Lateinamerika beschreibt sie, welche Menschen diese dorthin gebracht haben, welche kulturellen und sprachlichen Spannungen es zu überwinden galt, wie die ersten Waldorfschulen entstanden sind, wie Krisen kamen und neue Wege aufzeigten. Nardini teilt zudem ihre eigenen Erfahrungen, als Kind in Argentinien aufzuwachsen und später dort als Pädagogin zu arbeiten. Zum Abschluss stellt sie eine weitere Frage: Wie können wir durch Begegnung eine würdigere Zukunft für die nächste Generation gestalten?

Redaktion · 26. März 2026 · 1 Min.